Hoffnung

Hoffnung für die Bauern
Hoffnung für Umwelt- und Regenwaldschutz

Ein erfolgreiches Experiment im Amazonasgebiet im Südosten Perus

1. Ort und Zeit:

Provinz Madre de Dios mit dem Zentrum Puerto Maldonado, „Capital de la biodiversidad“ (Hauptstadt der Artenvielfalt) genannt. Trotz der üblichen Skandale von Umweltzerstörung und der „gewöhnlichen“ Vernichtung des Waldes durch Landwirtschaft mit Brandrodung und wenig kontrolliertem Holzeinschlag, ist dies dennoch eine relativ gut erhaltene Zone des Regenwaldes.

Das Experiment erstreckt sich über eine Distanz von ca. 300 km (140 km an der Straße Puerto Maldonado Richtung Cusco und ebensoviel in Richtung Brasilien; und entlang der Flüsse Madre de Dios und Tambopata).

Nach Vorarbeiten beginnt der Anbau 1993 unter der fachlichen Anleitung von Ing. Herwart Groll als „Entwicklungshelfer“. Seit 1997 unter der verantwortlichen Leitung peruanischer Bauern; von Lima aus fachlich beraten durch Ing. Alois Kennerknecht.

2. Idee und Ziel:
Eine umweltverträgliche Landwirtschaft im Regenwald

  • Überwinden der üblichen Wanderwirtschaft mit Brandrodung

  • Durch praktische und theoretische Anleitung der (Klein-) Bauern eine Landwirtschaft zu betreiben, die den ökologischen Gegebenheiten des Regenwaldes konform ist.

  • Zu ihrem eigenen Vorteil mit besseren Erträgen und damit auch vielfältigerer Ernährung ihrer Familien; gleichzeitig als Arbeitserleichterung und damit auch der Möglichkeit, die gesamte wirtschaftliche Lage zu verbessern.
  • Zum großen Vorteil für Natur- und Umweltschutz (lokal und global), durch Vermeiden oder zumindest Reduzieren der Brandrodung mit den bekannten negativen Folgen für die Böden und vor allem für die Umwelt.
  • Unter Zuhilfenahme von Bodendeckerpflanzen (als wichtigste) MUCUNA und CUDZU, die den Boden natürlich düngen und Unkraut überwuchern; sie werden von den Bauern selbst „Machetes verdes“ (grüne Machete) genannt. Dies ist auch der Titel der wöchentlichen Radiosendung für die verstreut im Wald lebenden Bauern.
  • Durch Wiederaufforstung und Rekultivierung bereits degradierter Böden etwas für die Zukunft zu tun, da eine Landwirtschaft im Regenwald nicht ohne Integration von Bäumen denkbar ist. Mittel- und längerfristig durch die Nutzung der Vielfalt von Frucht- und Forstbäumen zu Sicherung der ökonomischen Existenz.

3. Die Schritte dahin:

  • Die notwendigen Impulse und die Fachkenntnis von außen wurden eingebracht in vierjähriger Arbeit vor Ort durch Agraringenieur Herwart Groll. Durch seine Kenntnisse und vor allem durch die Art des Umgangs mit den Bauern hat er allmählich das Vertrauen gewonnen, was nötig ist, damit um die Existenz kämpfende Bauern sich auf kleine Experimente einlassen.
  • Schon früh wurde die Zusammenarbeit mit den Comunidades Cristianas gesucht – eigentlich die einzige für die Bauern wirksame Struktur seitens der Kirche vor Ort- vor allem auf dem Sektor der Schulungsarbeit und durch die Nutzung des „Centro Campesino“ in der Provinzstadt. Die „promotores de agricultura“, von den Gemeinden beauftragte Bauern, waren die ersten Ansprechpartner.
  • Mehrtägige zentrale Schulungskurse (2 – 3 im Jahr) und eintägige Kurse in den verstreuten Dörfern (bis zu 50 an der Zahl) waren der Hintergrund für die individuelle Beratung der Bauern auf ihren Feldern durch fünf „extensionistas“, d.h. Bauern, die bereits eigene Erfahrungen gesammelt hatten und im Auftrag des Projektes mit Motorrad oder Boot zu den Bauern unterwegs sind.
  • In der Anfangsphase waren Besuche auf der projekteigenen Versuchsstation ein wichtiges Anschauungsmittel; mehr und mehr jedoch wurden daraus organisierte Besuche auf Feldern von Ökobauern im Rahmen der zentralen Schulungskurse oder auch im Rahmen der lokalen Kurse. Es zeigt sich, dass am ehesten Bauern selber ihre Kollegen überzeugen können und dass positive Erfahrungen – gute Ernten – unabdingbar sind.

4. Die Erfahrungen:

Nach gut 12 Jahren des Experimentes lässt sich sagen: Regenwaldschutz dieser Art ist möglich. Bauern lassen sich dafür gewinnen, trotz des Gegenwindes der offiziellen Landwirtschaftspolitik. Zugegeben nicht von heute auf morgen, sondern in einem mühevollen Prozess.

Regenwaldschutz durch ökologisch angepassten Anbau hat sich in der Provinz Madre de Dios einen Namen gemacht. Mehrfach wurden die Erfahrungen von den leitenden Bauern des Projektes auf der nationalen Ebene auf Fachkonferenzen vorgestellt, mit gutem Echo.

Im Mai 2000 fand auf Initiative von Ing. Groll und unterstützt von MISEREOR ein „Seminario Interamazonico“ in Puerto Maldonado statt. Von den 40 TeilnehmerInnen kamen die Hälfte aus Kolumbien, Bolivien, Brasilien oder aus anderen Regenwaldzonen Perus. Im Mai 2003 fand ein weiteres internationales Seminar als Fortsetzung mit 60 TeilnehmerInnen statt.

5. Zusammenarbeit von Nord und Süd macht es möglich:

  • Initiative aus Ludwigshafen: Der gemeinnützige Verein „Arbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau zum angewandten Regenwaldschutz e.V.“, gegründet zur Durchführung der Idee, sorgt für die finanzielle Basis: Ein bundesweiter Förderverein wurde geschaffen. Es konnte für die Anfangsjahre eine Förderung durch die Europäische Union erreicht werden, ohne die ein Start nicht vorstellbar war. Der ständige Kontakt nach Puerto Maldonado, einmal jährlich Besuch dort, die Arbeit der Werbung und der Geldbeschaffung erfolgt ehrenamtlich und mit minimalem Verwaltungsaufwand. Unsere AG ist Gründungsmitglied der „lokalen Agenda 21“ in Ludwigshafen.
  • Die Partnerorganisation vor Ort: Asociación de Agricultura Ecologica (AAE). Die wichtigen Leute darin sind die „Extensionistas“ (s.o.), ausgesuchte und gut angeleitete Bauern oder junge Agrartechniker, die bereits über eigene Erfahrung im alternativen Anbau verfügen. Die meisten sind zur Hälfte angestellt, aber gleichzeitig Bauern auf ihrem eigenen Feld. Sie sind die „Fachleute“ für die Schulungskurse und die Beratung vor Ort. Ein kleines Büro dient der Organisation, ist Anlaufstelle für interessierte Bauern und Saatgutbörse für die einschlägigen Pflanzen.